Taschkent, die Kontrollen und die Bürokratie…

Unterwegs, wo ist Christoph

 

 

Ein Monat für ein so grosses Land wie Usbekistan ist zu kurz – speziell, wenn man zu Fuss unterwegs ist. Nach vier Tagen in Samarkand – wir blieben auch ein Tag länger, da Christoph sich nicht wohl fühlte und starke Magenkrämpfe hatte – und dadurch, dass wir mit unserem 30 tägigen Visum nur noch knapp zwei Wochen in Usbekistan bleiben dürfen, überlegten wir, ob wir unser Visum nicht verlängern könnten. In Samarkand war es aber nicht möglich, das gehe nur in Taschkent – eventuell, und auch dort sei es eine ziemliche Arbeit. Trotzdem entschieden wir, nachdem wir ab Samarkand einen Tag gewandert waren und es Christoph immer noch nicht besser ging, nicht die direkte Route nach China zu wählen, sondern nach Taschkent zu fahren und dort schauen, ob eine Verlängerung möglich ist. Ein Sammeltaxi brachte uns in die 2,5 Millionenstadt und Hauptstadt von Usbekistan.

 

Taschkent Metro

Die Metro brachte uns dann in die Stadtmitte, aber wir staunen nicht schlecht: bei jeder Metrostation steht bei jedem der Eingang – und das sind ganze acht(!) – ein Polizeibeamter, der einfach mal da ist und schaut, wer so in die Metro geht. Unten bei den Schranken stehen jeweils zwei weitere Beamte, die von jedem Reisenden, jede Tasche und jeden Plastiksack prüfen, und uns Ausländer jedes Mal auffordern, den Pass zu zeigen; also vorne und hinten in der Station, das macht nochmals vier Herren; und zu guter Letzt am Bahnsteig selber ist ein bis zwei Beamter platziert, die da irgendwie zum Rechten schauen… Das macht 13-14 Beamte pro Station! Vor wem oder was hat man hier Angst???

Auch auf den Strassen ist die Polizei sehr präsent. Zwischen den einzelnen Bundesländern bzw. sogar zwischen den einzelnen Bezirken des Landes stehen grosse Kontrollposten, wie Zollstationen, mit einem halben Dutzend Beamten, die kurz in jedes Auto blicken. Und wenn wir jeweils zu Fuss einen solche Station passieren heisst es sowieso immer: Reisepass heraus, Visum zeigen, Hotelregistrierungen zeigen etc. Das ist schon ein bisschen mühsam, auch weil dann jeder unsere Pässe begutachten will – eher interessehalber als zur Kontrolle. Und auch hier in den Strassen Taschkents geraten wir ab und zu an Polizisten, die halt ihrer Arbeit nachgehen und irgendwie „Bad Guys“ suchen.

 

Taschkent Markt 1

Auch das mit den Registrierungen ist ein bisschen ärgerlich. Ausländer müssen sich ja spätestens ab dem dritten Tag nach der Einreise in Usbekistan bei einer Polizeistation melden, oder in einem Hotel sich registrieren lassen. Und danach mindestens alle drei Tage…. Oder ist es täglich wo man sich registrieren muss? Wir wissen es eigentlich gar nicht so genau und haben es bis heute nicht herausgefunden. Naja, wir werden es dann bei der Ausreise sehen, ob uns die fehlenden Registrationen Ärger bereiten. Nun gut, jetzt brauchen wir mal für hier und heute ein Hotel, aber die Suche gestaltet sich recht schwierig; die Stadt ist riesengross und ein Zentrum, wie wir es so kennen, scheint es nicht zu geben. Wir steigen drei Mal aus der Metro aus, kommen ans Tageslicht und es sieht nicht nach Zentrum aus. Also wieder runter in die Metro, Pass zeigen, Registrierungen zeigen, weiterfahren; jedes Mal das Gleiche. Beim dritten Anlauf bleiben wir an der Oberfläche und versuchen unser Glück in einem Markt, wo wir in der Nähe eine Touristeninformation vermuten. Ist aber nicht da. Dafür treffen wir Leonid, ein Russe, der hier in Taschkent ein Geschäft führt. Er meint dann: „Ein Hotel braucht ihr? Ok, ich fahre Euch zu einem, dass ich kenne.“ Super, vielen Dank! Zu Fuss käme man eh nicht vorwärts, da wie gesagt, die Stadt riesig ist, die Strassen mehrspurig, zum Teil über 50 Meter breit, und überall Grünflächen sind, die zwar sehr schön sind, aber alles noch mehr in die Länge und Breite ziehen. So, nun war aber das erste Hotel voll, und das zweite nicht für unser Budget. Dann das dritte, ein quasi staatliches Hotel hätte Platz, doch dort wurden unsere Registrierungen pingelig genau geprüft, bei einer Registrierung fehlte das Abreisedatum, und das geht gar nicht. Ebenso fehlen ja einige Nächte, wo wir privat übernachtet haben – wo wir da waren? Leonid setzte sich für uns ein, aber es half nichts. Das Hotel konnte/wollte uns nicht aufnehmen. So, Hotel Nr. 4 hätte dann ein Zimmer für uns, aber der Preis war wiederum zu hoch. Leonid meinte darauf: „Ihr macht eine gute Sache, und ich unterstütze euch!“ und übernahm spontan ein Teil der Hotelkosten. Wir waren kurz sprachlos – vor zwei Stunden erst kennen gelernt, und so riesig hilfsbereit und grosszügig. Herzlichen Dank, Leonid! Wir checkten ein und fielen todmüde in die Betten.

 

Taschkent, mit Leonid

Am nächsten Tag versuchten wir herauszufinden, ob und wie wir unser Visum verlängern könnten, liessen es aber dann bald mal erfolglos bleiben. Eventuell ginge es in irgendeinem Amt in irgendeinem Büro in der riesigen Stadt, und würde wohl bis zu einer Woche dauern. Ok, dann werden wir halt auf unser Enddatum Usbekistan verlassen, etwas Gas geben und werden etwa 2-3 Tagesetappen halt fahren müssen.

Nun gut, wir nutzten dann den angebrochenen Tag um uns Taschkent anzuschauen. Und trotz der Grösse und Weitläufigkeit fanden wir ein paar schöne Ecken. Ein Amir Timur Park, (Amir Timur ist der Nationalheld), direkt vor dem Hotel Usbekistan – ein Komplex aus den sechziger Jahren, ein Meisterwerk sozialistischer Baukunst. Dann der grosse Markt war sehr interessant; speziell die Abteilung wo Fleisch verkauft wurde es gab alles von Kuh und Schaf: vom normalen Fleisch über die Innereien als Würste, dann ganze Beine inkl. Huf und ganze Köpfe der Tiere. Eine grosse Karavansarai inkl. Mädresse, Moschee und hohen Minarett Türmen besuchten wir, ebenso wie eine russischorthodoxe Kirche, wo gerade eine Messe begann.

Am nächsten Tag brachen wir dann von Taschkent auf, südwärts zurück auf unseren Weg. Wir wanderten quer über weite, hügelige Felder und kamen uns ein paar Mal vor wie auf einem anderen Planeten. Es war trocken und brennend heiss. So waren wir sehr froh, dass wir zu Mittag in mitten von nirgendwo, eine kleine Siedlung entdeckten, wo eine Familie uns zu einem Tee einlud. Am Horizont erschienen schon die ersten Hügel – ja, die Berge kommen wieder näher und auch unsere letzte Region in Usbekistan: das Fergana Tal.

Gewisse Internetseiten und Foren raten zu erhöhter Vorsicht bei Reisen durchs Ferganatal, es hat dort im Jahre 2005 ein schlimmes Massaker an der Zivilbevölkerung gegeben, mit vielen Toten. Aber für uns ist es der direkte Weg nach Osh in Kirgistan und Richtung China – also los geht’s… die werden uns dort ja schon nicht fressen…

 

 

Taschkent Markt 10

11 Kommentare

  1. Hallo zäme,
    Hoffentlich geht es Christoph wieder besser und Ihr habt keine Schwierigkeiten beim passieren der Grenzposten. Wünsche Euch weiterhin alles gute und zünde morgen in der Kirche eine Kerze an.
    Liebe Grüsse Ageli

  2. Hallo zusammen
    Schön zu lesen, dass ihr es bereits so weit geschafft haben. Wünsche euch eine super Zeit in Kirgistan.
    Ist zwar bereits etwas zu spät für euch, vielleicht hilft es aber einem Leser – wir konnten unser Usbekistan Visum am Flughafen verlängern. War nicht mal eine grosse Sache.
    Alles Gute, Andrea

  3. Elisabeth (World Vision)

    Lieber Christoph & lieber Simon!

    Eure Schilderungen über Usbekistan, seine Städte und seine (für uns “Westler” wohl teilweise eigentümlich anmutenden) Sitten und Gebräuche – inkl. ständiger Polizeikontrollen mit unklarem Ziel und Hintergrund – erinnern mich sehr an ein Buch, das ich am letzten Samstag fertig gelesen habe: “Samarkand Samarkand” ist zwar ein fiktiver Roman, trotzdem scheint in Usbekistan vieles ganz genauso abzulaufen, wie es dort geschrieben steht 😉

    Ich hoffe halt, dass es für Euch nicht ganz so gefährlich ist, wie für den Protagonisten Alexander “Ali” Kaufner. In diesem Sinne: Bleibt gesund und lasst´s Euch nix g´fallen!

    Liebe Grüße aus Wien, Elisabeth

  4. Hi, ihr seid ja mittlerweile schon sehr weitgekommen. Gratulation.
    Wegen Registrierungen würde ich mir keine allzu großen Sorgen machen. Wir wurden an der Grenze zwar akribisch kontrolliert, wurden aber nicht danach gefragt. Als wir sie vorgezeigt haben, bekamen wir nur ein stummes Kopfnicken. Etwa 10 andere Radfahrer haben ähnliches berichtet. War allerdings ein anderer Grenzübergang (südlich von Samarkand vor Duschanbe) als ihr nutzen werder.
    Falls ihr in Osch noch eine Unterkunft braucht: im südlichen Abschnitt der Lenin Strasse gibt es gleich drei preiswerte Unterkünfte: Bayana Guesthouse, TED Guesthouse, das Osh Nuru Hotel bietet auch billige Zimmer für ca. 20 Euro, und hat Pool, Reisebüro ud Bar. Falls ihr mal wieder westliches Essen braucht, schaut im California Cafe ggü. der Uni oder im Aztec, Lenin Strasse noch etwas weiter südslich vorbei. Minxin und Flo aus Langmusi/China
    http://www.biketoasia.com

  5. Hallo ihr zwei,
    die USA hatte diese Tage ihre Daviscup-Begegnung mit Usbekistan in Taschkent. Vielleicht lag’s ja u.a. daran, dass sie so vorsichtig waren.

    Haltet die Ohren steif und viel Glück im Fergana Tal!!
    Gesund werden und bleiben,
    Wilfried

  6. Alles gute euch zwei,hend sorg hoffe Christoph gehts wieder gut glg alice dani

  7. Durchhalten Jungs,
    ich denke oft an unsere Begegnung in Pettneu a.A.

    PS Ich habe übrigens euren “Rat” befolgt und lege ein Sabbatjahr ein nach meiner Zeit in Paris.

    Ich werde vielleicht nicht einen walk of life machen koennen, aber einige andere Projekte………….

    Liebe Grüße
    Joachim

  8. Lieber Christof! Hallo ihr Zwei!

    Ich mag wieder einmal DANKE sagen, dass ihr uns alle so ausführlich auf eurer Reise mitnehmt. Alles Gute weiterhin und ganz viel Kraft.

    Alles Liebe Christine Atzl

  9. Hallo zäme
    Danke für die immer interessanten Bericht! Ich hoffe, Christoph geht es wieder gut. Es ist ungemein spannend, von euch zu hören! Ich werde Käti davon berichten.
    Seid vorsichtig und bleibt gesund.
    Gruess Renzo.

  10. Wingeier Elisabeth

    Lieber Simon, lieber Christoph

    Herzlichen Dank für den interessanten Bericht. Ihr habt ja grosse Strapazen durchleben müssen! Ich hoffe fest, dass es Christoph wieder besser geht und wünsche euch weiterhin alles Glück der Welt. In Gedanken begleite ich euch und schicke euch einen Haufen Schutzengel mit. Tragt Sorge zu euch! Bis bald wieder!

    Herzlichst
    Elisabeth
    ❤️❤️❤️

  11. Hallo Ihr Beiden!
    Ich hoffe, Christoph geht es wieder gut. Ist ja doch eine gewaltige Strapaze, die Ihr da auf Euch genommen habt.
    Seid vorsichtig, aber das brauche ICH Euch ja nicht zu sagen.
    Alles Gute weiterhin.
    L.G. Elfi

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