Von Kutaisi via Tiflis Richtung Aserbaidschan

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Auf der Rückreise von Armenien stoppten wir in Tiflis um auf der Aserbaidschanischen Botschaft unser Visum zu beantragen. Bis jetzt kamen wir ohne Visum über jede Grenze, aber jetzt geht’s los mit den Visa oder Visen (das sind die korrekten Mehrzahlformen für Visum(s) 🙂 ,). Ein Kleinbus bringt uns dann im späteren Nachmittag zurück nach Kutaisi wo unser Joseph beim Wiedersehen sowas von freudig in die Luft springt und uns begrüsst. Er hat uns wohl sehr vermisst. Wie lange wir ihn noch bei uns haben können, wissen wir zu dem Zeitpunkt nicht – die Strecken werden nicht kürzer und die Hitze ist speziell jeweils am Nachmittag auch für uns schon fast unerträglich – wie ist es denn für einen kleinen Terrier, der nach unseren Berechnungen zufolge ca. vier Mal mehr Schritte macht als wir. Wir schauen mal und sind irgendwie sicher, dass wir ein Plätzchen für ihn finden.

 

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So geht es tags darauf weiter Richtung Osten, Richtung Berge, die das westliche, grüne Schwarzmeerbecken vom östlichen, trockeren Landesteil trennen. Wir kommen in zwei Tagen an die Wasserscheide, wo nun hinter uns das Wasser noch ins Schwarze Meer fliesst und vor uns, alle Bäche und Flüsse nun Richtung Kaspisches Meer fliessen.

In Gori nehmen wir uns dann die Zeit um die Stadt anzuschauen und vor allem das Museums des berühmtesten Sohns von Gori, wenn nicht von ganz Georgien zu Besuchen. Hier ist im Jahre 1878 Joseph Stalin auf die Welt gekommen, damals im Russischen Kaiserreich. Er kam in seiner Jugend schnell zur ersten sozialistischen Organisation in Georgien und war später im Russischen Bürgerkrieg und verschiedenen Revolten beteiligt. Das Museum zeigt seinen gesamten Werdegang und Stalin wird als Person höchst verherrlicht. Unzählige Statuen und hunderte von Bildern zeigen den Diktator und stellen ihn als Hero und starken Politiker dar. Klar, er hat mit seiner Roten Armee wesentlich dazu beigetragen, dass zum Ende des zweiten Weltkrieges der Nationalsozialismus besiegt werden konnte. Aber gegen seine eigene Bevölkerung war er schlichtweg grausam und ging über Leichen.

 

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In Gori übernachten wir im sehr netten Gasthaus Elene, wo wir Beqa und Ilona kennen lernen, und auch die kleine Tochter Elene. Tja, und Joseph scheint es hier auch zu gefallen. Am Abend meint dann Beqa dass wir Joseph doch einfach hier lassen sollten. Ja, also so betrachtet ist das eine absolut gute Lösung, Joseph käme in eine liebe Familie, hätte hier einen grossen Innenhof, viele Schattenplätze und immer wieder Gäste aus aller Welt, die ihm Gesellschaft leisten. Sogar eine kleine Mietzekatze gehört zur Familie, doch die hat Joseph als allererst mal auf den Baum gejagt. Naja, die werden schon gut Freund. So entscheiden wir uns einerseits schweren Herzens, andererseits sehr glücklich, dass wir einen guten Platz gefunden haben, dass wir Joseph hier bei der Familie lassen werden. Die Verabschiedung am nächsten Morgen verläuft dann recht lange und irgendwie weis Joseph, dass wir nun gehen und nicht zurück kommen, und dass es hier nun sein neues Zuhause ist. Alle sind glücklich, alles ist GUT!

Tja, und es war eine richtige Entscheidung, Joseph in Gori zu lassen, denn die beiden folgenden Tage Richtung Tiflis sind dann von der Hitze her schlichtweg brutal. Die Sonne brennt herunter, die Luft flimmert, und wir bewegen uns langsam und schwitzend durch eine dürre, vertrocknete Feldlandschaft. Ich kaufte mir in Kaspi sogar noch einen Regenschirm und habe so zumindest ein bisschen Schatten. Aber was für ein Bild, hier mit Schirm herumzulaufen… 🙂

Mtskheta, eine kleine Stadt vor Tiflis gefällt uns dann ganz gut, speziell die alte, grosse Kirche, wo in einer Seitenkapelle gerade eine Messe gefeiert wird. Dabei ist ein kleiner Chor von drei Damen, die mehrstimmig georgische, religiöse Lieder singen. Dazu die Schönheit dieser einfachen Kapelle, die vielen Bilder und Ikonen von Gott und diversen Heiligen an den uralten Wänden und die Luft von Weihrauch getränkt, gibt dem Ganzen eine sehr andächtige Stimmung. Wir verweilen einige Zeit, hören den schönen Lieder zu und sind dankbar, dass wir bis jetzt immer so glücklich, gesund und froh unterwegs sein durften.

Tiflis empfing uns tags darauf mit viel Verkehr. Es ist schon gewaltig, was da täglich durch jede Strasse der Stadt rollt. Tausende PWs und LKWs, Unmengen von Taxis und jeder fährt wie ein Henker. Und gibt es keine Lichtsignale, so hat man als Fussgänger gar keine Rechte und muss sich irgendwie durch den Verkehr über die Strasse kämpfen. Zum Teil ist es schon recht gefaehrlich und wir sind froh, dass es immer glimpflich ausging. Tiflis schauen wir uns aber natürlich trotzdem an und es gefällt uns sehr gut.

 

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Eindrücklicher aber ist dann tags darauf der Besuch in der Monk Andrews Stiftung etwas ausserhalb von Tiflis. Diese Stiftung kümmert sich um krebskranke Kinder und hat ein recht grosses Haus, schöne Zimmer und viele Spielsachen; hier können sich die Kinder zwischen den einzelnen Chemotherapien erholen. Die Stiftung erhielt seinen Namen von einem Jungen namens Andrew. Schon als Kind erhielt er die Diagnose Krebs, und zwar ein sehr seltener Krebs, der normalerweise nur ältere Menschen kriegen. Trotzdem studierte er als Jugendlicher Theologie und war immer sehr gläubig. Seine Mutter kümmerte sich sehr um ihn, aber Andrew lag auch am Herzen, dass andere krebskranke Kinder auch diese Pflege und Liebe erhalten. Andrew erlag mit 17 Jahren an seinem Krebsleiden, und sein grosser Wunsch war, dass seine Mutter und seine damalige Lehrerin weiterhin zu krebskranken Kinder schauen und sie pflegen. So gründeten die beiden Frauen diese Stiftung, richteten das Haus ein und sind seither mit ihrer Arbeit mit ganzem Herzen dabei. Es ist sehr berührend, wenn wir die Bilder an den Wänden sehen, von den Kindern, die Krebs haben, und die, die den Ort schon ‘verlassen‘ mussten. Ein kleiner Junge ist heute im Haus – die anderen Kinder sind gerade in der Chemotherapie – und da schaut man zu diesem Jungen und fragt sich nur „wieso“… Ein ganz eindrücklicher Ort, hier ist die homepage: www.monkandrew.ge

Tags darauf geht es dann weiter, durch Ostgeorgien, wo in ein paar Tagen die Grenze zu Aserbaidschan auf uns wartet. Das Visum haben wir und so kann nichts mehr schiefgehen, ausser wir verlieren den Weg, weil uns der Schweiss dauernd in die Augen läuft…

 

Mehr Bilder gibts hier  >>>

 

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