Plowdiw – ein Juwel

Plowdiw 3

 

Da denkt man nichts Schlimmes und plötzlich kommt so eine Hammer-Stadt – Plowdiw, im Süden von Bulgarien. Nicht wegen nix wird diese Stadt auch Kulturhauptstadt Europas von 2019. Wir nähern uns der Stadt von Westen und können schon von weitem zwei der sieben Hügel sehen, die die Stadt umringen, oder mitten drin sind. Auf drei Hügel liegt wunderbar eingebettet die Altstadt mit herrlich alten Häusern und Kirchen. Wir quartieren uns in der langen Einkaufsstrasse unterhalb der Altstadt, in einem alten historischen Hostel ein. In der Nacht im Bett lässt uns der Club unter uns bis in die Morgenstunden auch an der riesigen Party teilhaben J. Egal, los geht’s am nächsten Morgen, die Stadt anschauen. Am Ende der Einkaufsstrasse, gleich bei der grossen Moschee ist ein erster Teil des riesigen, geschichtlichen Erbes der Stadt zu sehen: Das römische Stadion! Es hatte eine Länge von 180 Meter und bot Platz für 30‘000 Zuschauer. Architektonisch sehr geschickt in das Stadtbild integriert, wurde es zu einem kleinen Teil freigelegt und kann besichtigt werden. Hier wurden sportliche Wettbewerbe analog den olympischen Spielen ausgetragen; Speerwerfen, Weitsprung und Ringkampf. Weiter oben, an die Altstadt angrenzend, wurde das römische Theater ausgegraben, sehr beeindruckend, In einem Halbkreis sind Zuschauerplätze für 7000 Menschen vorhanden und vorne eine Bühne mit viele Säulen und ein paar kopflose Statuen. In der Altstadt besuchen wir eine Kirche, wo wir Zeuge einer orthodoxen Taufe werden. Der Knabe, ca. 8 jährig wird ganz ins Taufbecken gestellt und grosszügig gesegnet. Danach wurden ihm neue helle Kleider angezogen, und dann gibt’s Kuchen für alle – auch für uns J! Darauf schlendern wir durch einen grossen Wochenmarkt wo wir über die bulgarischen Kunsthandwerker staunen – ach, hier würden wir einkaufen, wenn wir nicht alles zu tragen hätten. Später gönnen wir uns eine Erfrischung in einem mediteran anmutenden Kaffee wo wir spontan von einem freundlichen Herrn eingeladen werden. Wir essen wieder mal köstlich – ja, das Essen passt uns immer wie besser – es ist einfach herrlich. Lustig ist, dass in der Speisekarte jeweils auch das Gewicht der Speisen angegeben ist: Schopska Salat 400gr. Chicken Kavana 500gr. Man weiss dann genau, wie viel man zulegt… Auch witzig ist, wenn man nach Brot fragt, heisst es: Wie viele Scheiben?

 

Unser Salat in Malko Belovo

 

Wir verabschieden uns dann nach zwei Tagen schweren Herzens von Plowdiw und sind wieder Überland unterwegs. Unser Weg führt einerseits an der Schnellstrasse entlang, da wieder das gleiche Bild – Lastwagen donnern an uns vorbei und es ist a bissi mühsam. Dann wieder durch kleinste Dörfer, wo wir kurze Einblicke ins tägliche Leben der Menschen hier erhaschen. Die Dörfer sind friedlich gelegen und viele Störche haben auf den Elektromasten ihr Nest gebaut. Auf dem Land draussen ist die Natur regelrecht „explodiert“! Es ist sehr alles sehr grün, ein sattes Grün, welches wir so südlich gar nicht erwartet hätten. Blumen und Büsche blühen in herrlichen Farben, Rapsfelder ziehen sich endlos an den Horizont und der verblühte Löwenzahn weht schon durch den Wind. Viele Menschen auf Ross und Wagen kommen uns entgegen und grüssen freundlich. Ja, Bulgarien passt uns..

 

Pazartschik Market 2

 

Und wie geht es uns sonst so…? Gut, sehr gut! Meine Erkältung ist durch, momentan leide ich nur ein bisschen an Heuschnupfen. Und Christoph, dem geht’s eh gut – „Bisch a Tiroler – Bisch a Mensch…!“ Ja, wir haben es gut und sehr lustig. Was wir schon gelacht haben! Aber auch viele gute Gespräche geführt. Über so viele Themen haben wir diskutiert, Politik in den jeweiligen Ländern, Geschichte, Geographie, Kultur, über die Menschen, die Traditionen und übers Essen natürlich J. Auch quer durch, über Kunst, Musik und Sport, über Gott und die Welt. Ja, auch ganz tiefgründige Gespräche; Gott, Religionen – ein riesen Thema, und sehr interessant. Was kommt danach….?

 

Uns gehen die Themen eh nicht aus. Meistens diskutieren wir in der Kaffeepause oder Abends. Untertags, beim Gehen ist eh jeder alleine und das ist auch gut so. Jeder hat sein eigenen Schritt und sein Tempo. Ja, und dann hat man unendlich Zeit für sich selber. Manchmal höre ich Musik oder lerne Russisch. Manchmal ist man einfach am Geniessen der Natur und der Landschaften, die wir durchwandern. Und oft studiert man selber über alles Mögliche. Banale Sachen, aber meistens auch über wesentliche Dinge des Lebens; wo man schon war im Leben, was man alles erlebt hat, wo man ist und vor allem wo man hin will. Ja, und auch oft kommt die Frage: „Wer bin ich?“ Der Weg stellt einem Fragen und gibt die Antworten, Er gibt dir nicht das was du willst, sondern das was du brauchst. Ja, und einige Antworten habe ich schon gefunden…

 

Haskovo mit Maria

 

In Haskovo treffen wir Maria. Sie ist eine Couchsurferin-Host. Couchsurfing ist eine Platform im Internet, wo Leute ein Schlafplatz, quasi eine Couch an Reisenden kostenlos anbieten – couchsurferhost. Und Reisende können Couchsurfer anschreiben um bei ihnen zu übernachten. Couchsurfer sind echt immer coole, weltoffene Menschen. Bei Maria können wir zwar nicht übernachten, aber sie organisierte uns ein gutes und günstiges Hotel mitten in der 80‘000 Menschen Stadt. Gemeinsam besuchen wir dann die Sehenswürdigkeit von Haskovo: die grösste Marienstatue der Welt. 14 Meter hoch, auf einem 17 Meter hohen Sockel wacht sie über die Stadt und hat alles im Überblick. Später lädt uns Maria ein, bei einer Tanzveranstaltung zuzusehen, wo sie mitmacht. Da gehen wir natürlich hin und treffen ca. 50 Menschen, die mitten in der Stadt bulgarische Volkstänze zeigen. Natürlich sind wir auffällig wie bunte Hunde und ich werde sogleich aufgefordert auch mitzumachen, was ich auch tue. Es ist sehr lustig und die Leute sind sehr nett. Maria schenkt uns am Schluss gleich noch 3 Gläser selbstgemachte Lutenitza, eine weitere Köstlichkeit von Bulgarien. Das ist ein Gemüsebrotaufstrich und besteht aus Tomaten, Paprika/Pepperoni und Oberginen – sehr fein! Dazu noch eine unglaublich süsse Kirschmarmelade – lecker!!!

 

Ja, Bulgarien gefällt uns sehr gut. Und doch zieht uns der Weg weiter. Wir sind heute in Svilengrad, ca. 10 Kilometer von der Türkischen Grenze entfernt. Morgen werden wir den EU-Raum verlassen und bald schon, in Istanbul auch den Europäischen Kontinent. Schritt für Schtritt geht’s ostwärts – ASIEN, WIR KOMMEN!!!!

 

Plowdiw Cafe

5 Kommentare

  1. Hallo zäme
    Ich lese Eure Berichte immer mit grossem Interesse und lerne viele Orte kennen, von denen ich bis anhin nichts gehört habe.
    Ich wünsche Euch mit dem tollen Vorhaben weiterhin alles Gute und viel Glück.
    Susanne Niggli, Wolfwil

  2. Agatha Büttler

    Herzlichen Dank für die tollen Berichte. Es ist sehr interessant. Wünsche Euch weiterhin alles Gute, schöne Begegnungen mit lieben Menschen und auch in der Türkei so gutes Essen.

  3. Wir verfolgen noch immer mit Interesse eure Berichte! Wir haben uns ganz am Anfang unserer jeweiligen Reisen getroffen und nehmen einen ähnlichen Weg. Selber sind wir bereits in Aserbaidschan und haben die Türkei hinter uns gelassen.
    Ihr könnt euch auf die Gastfreundschaft der Türken freuen. Wenn es dort Probleme geben sollte, ist sofort jemand zur Stelle, um zu helfen. Weiterhin hoffe ich, ihr mögt Tee!
    Gruß aus Sheki, Minxin/Flo, http://www.biketoasia.com

  4. L. Christoph, lieber Simon!
    Ich war dieses Wochenende gemeinsam mit meinem Freund in Mariazell, in Pöllauberg und in Maria Schutz. Ich zünde in Kirchen immer gerne für meine Familie und Freunde Kerzen an. Ich habe für Euch auch eine Kerze angezündet, die soll Euch weithin beschützen und Euch viel Glück und Gesundheit bringen bzw. erhalten.
    Alles Liebe auf Eurem weiteren Weg. Elfi

  5. Danke für eure laufenden Berichte! dieser gefiel mir besonders. Ich finde es schön, wie ihr euer Zusammenleben beschreibt Viel Spaß und schöne Zeiten und Wege weiterhin!

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