Bulgarien – von der Donau ins Balkangebirge

Grenze zu Bulgarien

 

Tja, Serbien war so super, bis zur letzten Sekunde, in der wir im Land waren: Auf dem offiziellen Eurovelowegweiser an der Serbischen Grenze steht:“ Goodbye, you are leaving Serbia – don’t cry because it’s over, smile because it happened“ J – „sie verlassen nun Serbien – weinen sie nicht weil es jetzt vorbei ist, sondern lächeln sie weil sie es erlebt haben“ – so gut, die Serben…

 

Am kleinen Grenzübergang zu Bulgarien gab es dann unseren offiziellen Grenzschnaps – da hatte Damir uns noch etwas Slivo mitgegeben. In Bregovo, der ersten Bulgarischen Gemeinde war dann nicht so viel los – ist auch immer speziell, sich in den ersten Tagen in einem neuen Land zurecht zu finden. Mal zu etwas Geld in Landeswährung kommen, dann sprachlich ist es hier, naja, nicht total anders; bulgarisch ist auch eine slavische Sprache, aber doch gibt es Unterschiede. Und es ist allgemein bezüglich der Kommunikation schon etwas schwieriger, wir stellen schnell fest, dass hier schon deutlich weniger englisch oder deutsch gesprochen wird. Auch die Speisekarten sind grösstenteils nur auf Kyrillisch angeschrieben. So lernen wir halt das kyrillische Alphabet und kommen uns vor wie in der Schule in der ersten Klasse, wo man ein Wort, Buchstabe für Buchstabe liest und am Schluss – wenn man Glück hat, ein Wort entsteht, das man auch versteht. Das die Buchstaben einfach anders ausgesprochen werden, kommt noch dazu und macht‘s nicht einfacher: ein H ist ein N, ein verkehrtes N ist I, ein P ist R, ein quasi kleines r ist G und so weiter… macht aber echt Spass und ist lustig, wenn wir uns selber so zuhören beim Vorlesen: пица Маргарита P i ts a – Ma R gari ta – ah, Pizza Margaritha…. J

 

Speisekarte auf Kyrillisch

 

 

Grundsätzlich gefällt es uns auch in Bulgarien, obwohl die ersten Tage schon etwas gewöhnungsbedürftig waren. Vidin, die erste grosse Stadt ist für uns recht frustrierend – es hat zwar eine Art Altstadt und eine schöne Burg an der Donau, aber halt auch viele triste und abbruchreife Häuser und Gebäude. Und wo sind die Menschen? Die Strassen sind schon recht leer, und die Menschen, die wir sehen, sind doch eher irgendwie gefrustet. Wenig bis kein lächeln, weniger hilfsbereit, und es funktioniert halt auch weniger. Eine Touristenoffice ist zwar da – ein schönes Büro, direkt an der Donau, hat aber nie offen – ist so, das ist halt kein Geld mehr da für die zu betreiben. Nach und nach erfahren wir dann auch, dass in der Stadt vor einigen Jahren um die 80‘000 Menschen lebten, jetzt weniger als die Hälfte. Am Stadtrand sehen wir dann auch riesige, leerstehende Industriekomplexe, Hallen und Produktionsstädten, die wie Mahnmale aus vergangenen Zeiten uns anstarren und eigentlich nur noch auf die Abrissbirne warten. Schlimm, es gab hier tausende Arbeitsplätze, jetzt praktisch keine mehr… Dass kann schon auf die Stimmung der Menschen schlagen und viele sind deshalb auch weggezogen…

 

Naja, wir rappeln uns wieder auf, nachdem wir aus der Stadt, und wieder auf dem Land unterwegs waren – Richtung Lom, der Donau entlang. Da gefällt es uns schon besser. Irgendwie lächeln die Leute auch mehr, je weiter wir ostwärts kommen. Sie grüssen, hupen beim Vorbeifahren, Kinder winken und rennen zu uns. Nun gut, ein paar Bulgaren haben uns auch ein bisschen vor den Zigeunern / den Gipsys in den Dörfern gewarnt – aber bis jetzt ist nichts Tragisches passiert. Zwei Mal kamen Kinder betteln, aber Geld zu geben wäre sicher falsch. Aber ein Zuckerl/Täfeli oder sonst was süsses haben wir schon.

 

Ah, einen Ausflug haben wir auch noch gemacht; wir haben uns in Vidin einen Taxifahrer geschnappt, der uns zu der grossen Höhle von Magurata, die etwas südwestlich von Vidin in einem Berg liegt, gefahren hat. Die Höhle ist 2km lang, und hat einen Ein- und einen Ausgang; da floss einmal ein Fluss durch. Das Spezielle daran ist, nebst unzähliger Stalagmiten und Stalaktiten, die Wandbemahlungen, von Menschen, die diese Höhlen über Jahrhunderte bewohnt hatten, die sind zum Teil über 4000 Jahre alt; aus der Bronzezeit. Am Nachmittag fuhren wir noch zur Festung Belogradchik, welche ganz in der Nähe ist. Belogradchik ist ein weitläufiger Mauernkomplex, quasi in den Fels eingebaut. Und dahinter einen riesiges Tal, mit vielen Felsformationen. Echt wunderschön hier.

 

Festung

 

Ab Lom führt unser Weg nur alles südwärts und ab Montana geht’s auch langsam in die Höhe, direkt Richtung Balkangebirge, dessen schneebedekten Gipfel wir schon seit zwei Tagen vor uns sehen. Via Berkoviza gelangen wir auf die Passhöhe bei Petrohan, wir sind auf 1408 müM und –hei, wir feiern hier unseren 2000. Kilometer!!! Happy 2000km, oder 2‘000‘000 Meter oder ca. 3‘000‘000 Schritte! Auf der anderen Seite liegt Sofia, die Hauptstadt Bulgariens, die wir in den nächsten Tagen besuchen werden – wir freuen uns.

 

Ja, und wir freuen uns auch immer über Eure Meldungen und Kommentare – bitte schreibt uns weiterhin – es ist immer schön, von Euch zu hören. Vielen Dank und liebe Grüsse aus Bulgarien.

 

2000 km

2000 km

8 Kommentare

  1. Hallo Simon und Christoph
    Danke für die interessanten Berichte und die tollen Fotos! Es ist wirklich spannend, was du schreibst und ich freue mich immer wieder, von euch beiden zu lesen. Ich wünsche euch weiterhin alles Gute und gute Fahrt auf eurer weiten Reise.
    Renzo.

  2. heeee hoi Seimen und Christoph, der sit jo wit cho… läck bobi so wit wäg vo Woufu, eg wür stärbe… 🙂 Nei seich, lese emmer gärn üchi Reisebrichte, sehr intressant. Machet witer so und witerhen vöu Spass, vöu tolli Idrück… usw. Liebi Grüessli dini Bandkollegin Tina

  3. Hallo Christoph und Simon!
    Bin heute erst zurückgekommen von MEINER Patenreise in Südafrika (Swaziland) und habe gleich (während die erste Waschmaschine läuft) nach Eurem Blog geschaut. Auch ich habe dort viel Elend und Not gesehen, aber auch sehr viele schöne Momente erleben dürfen. Ganz vorne natürlich der Besuch beim meinem Patenkind – war wieder sehr emotionell. Ich wünsche Euch weiterhin eine schöne Reise mit vielen netten Begegnungen. LG. Elfi Meyer

  4. Hallo Seimen
    hüt han ech wieder einisch öichi Brichte usdruckt für s’Käthi.
    Morn chöme d’Schwöschtere zämme de müesse si doch öbbis z’läse ha vo öich.
    Toll wiä dir immer schribet.
    Hebets guet und heit öich sorg!!!
    Grüessli us Woufu

  5. Moll Helene und Hanspeter

    hallo ihr Weltenbummler, mit interesse verfolgen wir eure berichte, wir wünschen euch weiterhin schöne spannende erlebnisse, bleibt
    gesund und wandert tapfer weiter. liebe grüsse helene und hanspeter

  6. Ingrid Hochenthanner

    Hallo ihr beiden. Ich freue mich dass ihr gut vorankommt und immer wieder nette Leute und Eindrücke erlebt. Gespannt lese ich immer wieder die Reiseberichte. Ein bisschen ist es so als ob man auch mit euch in der großen Welt dabei ist obwohl ich jetzt im Büro sitze. Alles Liebe und gut Fuß, Ingrid aus Rust im Tullnerfeld

  7. Maria und Wolfgang

    Hallo Ihr Beiden!
    3.000.000 Schritte!!! Einfach Bewundernswert, Eure Erlebnisse mit Land und Leute, sowie die jeweiligen Reiseberichte sind höchst interessant und lesenswert! Wir freuen uns schon wieder auf den nächsten Etappenbericht und gehen gedanklich immer ein Stückchen mit Euch. Nur weiter so…die nächsten 3 Mio. Schritte warten auf Euch (uns).
    Buen Camino und liebe Grüße aus Vorchdorf von Maria und Wolfgang

  8. maria obererlacher

    FREUE MICH IMMER WIEDER VON EUCH ZU HÖREN UND EUCH ZU SEHEN.WÜNSCHE EUCH WEITERHIN ALLES ALLES GUTE FÜR EUREN NOCH LANGEN WEG.
    LIEBE GRÜSSE AUS LIENZ VON
    TANTE MARIA

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